Soziale Netzwerke  in der Ausbildung: „Alle können gewinnen“

Bernd Rall.  Foto: Oskar Eyb / 7visuals

Bernd Rall ist Professor an der Dualen Hochschule Baden Württemberg (DHBW) in Stuttgart. Er beschäftigt sich unter anderem mit Konzepten rund um die digitale Transformation und den Kulturwandel in Unternehmen. Dazu gehören auch die Kommunikation und Zusammenarbeit in der betrieblichen Ausbildung. Im Interview verrät er, warum sich der Einsatz von sozialen Netzwerken in Unternehmen lohnt und wie sich die betriebliche Kommunikation wandelt.

Warum ist der Einsatz von sozialen Medien für Azubis sinnvoll ?

Weil es die Effizienz und Produktivität in der Personalbetreuung erhöht: die Erreichbarkeit und die Antwortzeiten sind viel besser als mit herkömmlichen Medien. Außerdem fühlen sich die Azubis zeitgemäß abgeholt. Für viele ist die Kommunikation über E-Mail oder Telefon nämlich altmodisch. Mit Collaboration-Tools hingegen präsentieren sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber.

Für welche Unternehmen eignen sich diese Netzwerke ?

Prinzipiell für alle Unternehmen. Denn in keinem Unternehmen geht es ohne Kommunikation. Besonders effektiv ist es dort, wo nicht alle am selben Standort oder am selben Tisch sitzen. Sein Handy hat schließlich jeder dabei. So erreicht man auch Azubis ohne Desktop-Arbeitsplatz, die z.B. in Lager, Produktion, Baustellen oder Thekenverkauf arbeiten.
Wichtig ist also nicht die Branche, sondern eher die Größe. Zwar kann man schon mit zwei Leuten über eine Social Media App kommunizieren – das richtige „Community“-Gefühl kommt aber erst bei 15 – 20 Personen auf. Da macht es richtig Spaß ! Jeder kann sich in speziellen Gruppen, je nach Zugehörigkeit, austauschen und sich dort Feedback einholen.

Gerade ältere Generationen haben da oft Vorbehalte…

… die ich sehr gut nachvollziehen kann. Einer der Vorbehalte lautet, man habe ja bereits mit den E-Mails sehr viel Arbeit. Und das stimmt ja auch. Jedoch : Richtig eingesetzt, führen die Tools zu deutlich weniger E-Mail-Verkehr. Es landet dann viel-viel weniger im Mailpostfach.

Wie aufgeschlossen sind die Unternehmen ?

Langsam setzt ein Umdenken ein. Allerdings noch zu langsam. Momentan existiert eine große Kluft : Im privaten Bereich werden Messenger-Dienste und soziale Netzwerke genutzt – im Betrieb noch E-Mails geschrieben. Im Ausbildungsbereich ist diese Kluft besonders groß. Da fühlen sich viele Digital Natives um zehn Jahre zurückgeworfen und wundern sich, wie altmodisch die Firmen drauf sind.

Wer diskutiert über welche Themen in diesen Netzwerken ?

Speziell im Bereich der Ausbildung geht es meist um operative Themen, Projekte und Termine, aber auch um den Austausch von Erfahrungen : Jemand hat eine Frage, und jemand, der die Antwort weiß, meldet sich. Man hilft sich also gegenseitig, teilt Wissen. Besonders im Vorfeld von Prüfungen und Praxiseinsätzen in der dualen Ausbildung ist das gut zu beobachten.

Sind diese Lösungen erschwinglich ?

Öffentlich zugängliche soziale Netzwerke sind kostenlos. Enterprise-Social-Networks, die von Unternehmen abonniert werden, kosten i.d.R. zwischen 2 und 10 EUR im Monat pro Mitarbeiter. Dafür gehören dem Unternehmen dann aber auch die Daten. Im Ernstfall kann man Social Mobbing eindämmen, ohne dass es öffentlich wird. Außerdem sind die Ausbildungsbetriebe mit Enterprise-Social-Networks im Sinne der Datenschutzgrundverordnung auf der sicheren Seite, während sie bei Nutzung der öffentlich zugänglichen Messenger-Dienste ein massives Problem bekommen können.

Haben Sie noch einen Tipp ?

Einfach mal testen ! Gerade der Azubibereich eignet sich für eine mobile Austauschkultur. Unternehmen können so ohne großes Risiko bei ihren Azubis Punkte sammeln, gleichzeitig die Produktivität in der Ausbildung erhöhen und die digitale Transformation voranbringen. Schiefgehen kann nicht viel – alle können nur gewinnen.

(Es fragte : Thilo Kunze)

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