Zusatzqualifikation Digitale Kompetenz

Beitrag von Michael E. Schmid

Die IHK Schwaben, zuständig für den bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, entwickelte und startete im Sommer die Zusatzqualifikation „Digitale Kompetenz für Auszubildende und Facharbeiter“ – ein Pilotprojekt, um Mitarbeitern in Unternehmen Grundwissen zur digitalen Transformation zu vermitteln.

Die Digitalisierung präge seinen Alltag sowieso, sagt Marcel Steidl. Der Auszubildende zum Industriekaufmann des Augsburger Metallunternehmens J.N. Eberle & Cie. GmbH gehört zur Generation Y, ist groß geworden mit Handy und sozialen Medien. So hat er gern zugestimmt, als es um die Teilnahme an dem Kurs zur Zusatzqualifikation Digitale Kompetenz der IHK Schwaben ging. „Ich will nicht nur anwenden, sondern die digitale Transformation verstehen, auch mit Blick auf mein Berufsleben.“ Gleiches gilt für Tobias Baur, der als frischgebackener Industriekaufmann ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik anstrebt. Unterstützung erhielten beide von Ausbildungsleiter Holger Sawall: „Berufsbilder wandeln sich. Eine frühzeitige Vorbereitung, wie sie der IHK-Lehrgang bietet, kann nur dienlich sein.“ Sie sensibilisiere für die digitale Transformation und ermögliche erste wichtige Zugänge.

Breites Wissensspektrum

So denken in Bayerisch-Schwaben zahlreiche Unternehmen. Rund 600 Anmeldungen verzeichnete die IHK binnen Kurzem für ihren derzeit laufenden, kostenlosen Pilotkurs. Bis Jahresende gilt deshalb ein Anmeldestopp: Nicht nur Azubis, auch ältere Fachkräfte, deren Arbeitsinhalte sich ändern, sind Zielgruppe der Zusatzqualifikation. „Die Inhalte sind bewusst niederschwellig konzipiert, decken aber – vom Aufbau eines PCs bis hin zum Thema Big Data – ein breites Wissensspektrum ab“, sagt Oliver Heckemann, Leiter des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung der IHK Schwaben. Im März 2018 hat der Berufsbildungsausschuss der IHK das Bildungsprofil als Zusatzqualifikation gemäß Berufsbildungsgesetz beschlossen, am Ende steht ein gesondertes IHK-Zeugnis.

Modernes Microlearning

Die Zusatzqualifikation ist als Online-Lehrgang konzipiert. Die theoretischen Inhalte vermitteln fünf Module mit rund 40 Lernvideos à 15 Minuten, sogenanntes Microlearning. Erarbeitet von Experten aus Unternehmen und Berufsschulen. Wöchentlich stellt die IHK ein neues Video ins Netz, daneben stehen Skripte zum Download zur Verfügung. Ein Vorgehen, das die beiden Kursteilnehmer von Eberle schätzen. „Die Videos unterstützen das selbstständige Lernen“, findet Baur, „besonders wenn sie, wie die meisten des Kurses, mit viel Realitätsbezug arbeiten.“ Auch für die schriftliche Prüfung am Ende des Lehrgangs geht die IHK Schwaben neue Wege: Sie wird auf einem Tablet im hauseigenen PrüfungsCenter abgelegt.

© Michael E. Schmid
Ausbildungsleiter Holger Sawall mit Tobias Baur und Marcel Steidl

Praxisprojekt im Betrieb

Parallel gefordert sind die Ausbilder in den Unternehmen: Sie betreuen die Kursteilnehmer für die praktische Wissensvermittlung auf Basis eines betrieblichen Projekts mit digitalem Charakter. Für die IHK ein wichtiger Aspekt, um in digitalen Zeiten das Wesen der dualen Ausbildung aufrechtzuerhalten. Das richtige Projekt zu finden, unterstützen bei Bedarf die Ansprechpartner der IHK, Anregungen gibt zudem eine Liste an Projektideen auf der IHK-Website. Und: Ein Fachgespräch über dieses Praxisprojekt bietet eine zweite Chance, sollte jemand die Tablet-Prüfung am Ende des Kurses nicht bestehen.

Bedenken abbauen

Im Schulungsraum der Firma Eberle sitzen neben den beiden Kursteilnehmern auch Ausbilder und der Ausbildungsleiter vor den auf eine Leinwand gebeamten Videos. „Manche Ältere fragen sich, ob sie mit der Entwicklung noch mitkommen“, sagt Sawall. „Ich denke, der IHK-Lehrgang trägt dazu bei, diese Bedenken abzubauen.“ Er könne sich gut vorstellen, dass solche Bildungsformate den 4.0-Wandel unterstützen. Und überlegt schon, wie er den Kurs für Facharbeiter nutzen kann.

Keine Atempause

Der Bedarf an Grundlagenwissen im digitalen Bereich ist laut der DIHK-Umfrage „Ausbildung 2018“ hoch, sagt IHK-Bildungsleiter Heckemann. „72 Prozent der mehr als 10.000 befragten Unternehmen geben an, dass IT-Kompetenzen künftig einen höheren Stellenwert haben werden.“ Was ihm die Resonanz auf die neue Zusatzqualifikation für die Region bestätigte. Der Folgelehrgang 2019 ist deshalb bereits geplant. Dessen Inhalte werden sich den Erfahrungen des Pilotkurses entsprechend verändern, überhaupt, so Heckemann, will die IHK den Kurs kontinuierlich der fortschreitenden Digitalisierung anpassen. Die, bekanntermaßen, keine Atempause macht …

Weitere Informationen zur Zusatzqualifikation Digitale Kompetenz finden Sie hier.


Ratgeber: Digitale Transformation – Was kann ich tun?

Jedes Unternehmen hat das Gefühl, auf die digitale Transformation reagieren zu müssen. Folgende Fragen helfen bei der Orientierung:

  1. Nutze ich effiziente Software?

Die schnelle Verfügbarkeit von Daten, ihre Verknüpfung und Auswertung ermöglicht moderne ERP- (Enterprise Resource Planning-) oder Business Management-Software. Welche Software in welchem Ausmaß passt, bedarf einer Analyse der Prozesse im Unternehmen und gegebenenfalls deren Modifikation.

2. Nutze ich meine Daten effektiv?

Der klassische Back-up-Server speichert eine Unmenge an Daten, die meist ungenutzt, weil unausgewertet und unverknüpft bleiben. Big-Data-Analysesysteme können verborgenes Wissen aus diesem Datenschatz heben. Angelegt als Cloud-Lösung sind verknüpfte und ausgewertete Daten für jeden Beteiligten problemlos zugänglich.

3. Ist mein Management fit für das digitale Zeitalter?

Das digitale Zeitalter erfordert Veränderungen, die weit mehr sind als nur neue Hard- oder Software. Sie betreffen Abläufe und Prozesse im Unternehmen, für deren Veränderung das Management die Mitarbeiter einbezieht und deren Wissen schöpft. Nicht zuletzt sind sie es, die tagtäglich mit den alten wie auch mit den neuen Prozessen zu arbeiten haben.

4. Kann mein Unternehmen von mehr Konnektivität profitieren?

Gibt es die Möglichkeit, das Internet of Things zu nutzen – etwa Maschinen auswertbar zu machen und Anlagen zu vernetzen, um Vorteile wie etwa Predictive Maintenance auszuschöpfen?

5. Ändert sich das Kundenverhalten?

Wie wird mein Kunde von der digitalen Transformation beeinflusst? Welche Bedürfnisse hat er in Zukunft? Sucht er vielleicht zunehmend individualisierte, auf ihn maßgeschneiderte Produkte oder Dienstleistungen? Und wie kann mein Unternehmen einem sich so verändernden Kundenverhalten entsprechen?

6. Denke ich exponentiell?

Das Innovationstempo nimmt zu, im digitalen Zeitalter exponentiell. Geschäftsmodelle drohen, immer schneller in Frage gestellt zu werden. Wie gelingt es meinem Unternehmen, schneller beziehungsweise „agiler“ zu handeln

7. Wie werden neue Produkte entwickelt?

So manch klassisches Entwicklungsprocedere erweist sich heute als zu langwierig und zu träge. Wären neue Strategien wie etwa das Design Thinking für mein Unternehmen passend?

8. Wie beständig ist mein Geschäftsmodell?

Könnten agile Wettbewerber mein Geschäftsmodell beeinträchtigen? Gäbe es Ansatzpunkte, mich selbst disruptiv zu verändern, eventuell sogar die Möglichkeit eines völlig neuen Geschäftsmodells in Betracht zu ziehen?

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