7 Führungsqualitäten, die Azubis an ihrem Ausbilder lieben

Viele Chefs sind unsicher, wie sie mit der heutigen „Generation Azubi“ umgehen sollen. Dabei ist es enorm wichtig, dass Ausbilder vor allem bei sehr jungen Lehrlingen die richtigen Töne finden. Es gilt, positive Signale zu senden, um das Beste aus dem Nachwuchs herauszuholen und ihn langfristig zu motivieren. Und das ist gar nicht so einfach: Der tägliche Spagat, gleichzeitig Ausbilder, Vorbild, Problemlöser und Motivator zu sein, ist wahrlich kein leichter. Die folgenden sieben Tipps sollen Chefs dabei helfen, den Schlüssel zum Herz des Azubis zu finden.

Ein Gastbeitrag von Steffen Zoller

Fest steht: Ausbilder- und Führungsqualitäten sind nicht angeboren, aber erlernbar. Damit Azubis im Unternehmen volle Leistung bringen und gar nicht erst auf die Idee kommen, die Lehre abzubrechen, müssen sie glücklich mit ihrem Arbeitsplatz und ihrem Chef sein. Und so geht’s:

1. Drücken Sie regelmäßig Ihre Wertschätzung aus

Gerade weil Sie als Chef klar über Ihren Azubis stehen, sollten Sie ganz bewusst Ihre Wertschätzung zeigen. Arbeitnehmer – aber besonders Auszubildende – schöpfen ihr volles Potenzial nur dann aus, wenn sie merken, dass dies auch gewürdigt wird. Sie wollen vorankommen und die Möglichkeit haben, in Ihrem Unternehmen den nächsten Schritt zu machen. Wenn sie aufgrund mangelnder Wertschätzung nicht merken, welche Chancen der Beruf mit sich bringt, wird sich das möglicherweise negativ auf ihre Stimmung auswirken, die Produktivität beeinflussen oder sie ganz zur Aufgabe bewegen. Sparen Sie daher nicht mit Lob und helfen Sie Ihren Auszubildenden besonders in der schweren Anfangszeit so gut wie möglich – denn für viele Azubis ist das Arbeitsleben Neuland.

2. Begegnen Sie Ihren Azubis immer auf Augenhöhe

Ihre übergeordnete Stellung als Chef spielt auch eine Rolle, wenn es um gegenseitigen Respekt geht. Selbstverständlich müssen Auszubildende anerkennen, dass die Entscheidungen des Arbeitgebers über allem stehen. Sie sollten ihnen dennoch stets auf Augenhöhe begegnen. Wenn ein Azubi beispielsweise einen Vorschlag einwirft, der besser ist als Ihr eigener, ist es ratsam, auf diesen einzugehen, anstatt ihn arrogant abzutun. Vermeiden Sie unbedingt und jederzeit, Ihre Rolle als Chef zu missbrauchen. Ihre souveräne Bescheidenheit imponiert dem Azubi, er fühlt sich als Teil der Firma und ist motivierter.

3. Geben Sie Ihren Azubis ausreichend Freiraum

Statt den Auszubildenden jeden einzelnen Schritt vorzugeben und sie dabei unentwegt zu kontrollieren, sollten Sie ihnen stattdessen so viel Freiraum wie möglich geben. Lassen Sie sie selbst herausfinden, was der beste Weg für sie ist, die Arbeit ordnungsgemäß zu erledigen. Nur so können sie ihr volles Potenzial entfalten. Außerdem fördern Sie Kreativität und Eigenständigkeit, was wiederum zu einer allgemeinen Verbesserung der Arbeitsleistung in Ihrem Unternehmen führt.

4. Gehen Sie auf Probleme ein

Wenn sich einer Ihrer Azubis aus irgendwelchen Gründen unwohl fühlt, sollten Sie unbedingt darauf reagieren und nachfragen. Helfen Sie, Probleme zu beseitigen und zeigen Sie Verständnis. Es liegt auch in Ihrem Interesse, dass jeder mit freiem Kopf und voller Kraft seine Arbeit erledigen kann. Kommunizieren Sie außerdem klar und deutlich, dass Sie stets ein offenes Ohr haben. Man wird es Ihnen danken und Sie werden Ihren Azubi noch besser verstehen und haben die Chance, zu einer Vertrauensperson zu werden. Gerade sehr junge Berufseinsteiger sind anfangs noch unsicher, orientierungslos und benötigen geraden in kniffligen Situationen aufmunternde Worte. Wenn sie merken, dass sie sich nicht vor Problemen fürchten müssen, werden sie sich in Ihrem Unternehmen wohler fühlen, bessere Leistungen bringen und die Ausbildung mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich beenden.

5. Stehen Sie zu Ihren Fehlern

Es ist keine Seltenheit, dass Führungspersonen die eigenen Fehler kaschieren und sogar Azubis dafür verantwortlich machen – das hat aber rein gar nichts mit Führungsqualitäten zu tun! Im Gegenteil: Dieses Verhalten sollten Sie unbedingt vermeiden, wenn Sie Ihre Azubis nicht gegen sich aufbringen möchten. Wer nicht zu seinem Versagen steht, wirkt unfähig und verliert seine Autorität. Fehler sind menschlich. Versuchen Sie also, aus ihnen zu lernen und machen Sie ganz bewusst deutlich, dass sich gerade Auszubildende Fehltritte leisten können – ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen. Mit großer Sicherheit werden sie in einem solchen Fall alles dafür tun, den angerichteten Schaden wieder zu reparieren und daraus zu lernen.

6. Zeigen Sie Engagement

Sie erwarten von Ihren Azubis zurecht die Bereitschaft, zu jeder Zeit volle Leistung bringen zu wollen. Dieses Engagement müssen Sie als Chef jedoch erst recht an den Tag legen. Sie haben eine Vorbildfunktion und sollten daher auch an sich selbst höchste Ansprüche stellen. Wenn Ihre Auszubildenden sehen, dass der Chef engagiert und energiegeladen an die Arbeit geht, wird das motivierend auf sie wirken und die Leistungsbereitschaft steigern.

7. Seien Sie offen für Feedback

Nur wer als Führungsperson das Gespräch mit seinen Mitarbeitern sucht und auf diese eingeht, kann auf Dauer ein erfolgreiches Unternehmen führen. Dabei ist Feedback ein wichtiger Bestandteil – und zwar von beiden Seiten. Das Sammeln und Auswerten von Mitarbeiterfeedback lässt sich im klassischen Gespräch oder mit einem Fragebogen lösen – der Prozess lässt sich aber mit Online-Tools deutlich vereinfachen. Digitale Feedback-Tools haben den großen Vorteil, dass das Feedback der Mitarbeiter anonym abgegeben werden kann und regelmäßig abgefragt wird. So erhalten Sie wöchentlich ehrliche Aussagen Ihrer Azubis, kennen die Stimmung im Team, können auf Probleme frühzeitig reagieren und die Lehrlinge so wesentlich besser auf dem Weg zur Gesellenprüfung begleiten.


© DIHK / Jens Schicke

Der Autor ist u.a. Geschäftsführer von kununu engage – einem Feedbacktool, in dem Mitarbeiter (darunter Azubis) ihre Meinungen, Ideen und Sorgen anonym mit ihren Chefs teilen können.

 

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