Von der Fehler- zur Lernkultur

Wie sich „Missgeschicke“ noch auszahlen, erklärt der Coach und Autor Günther Wagner

Welche Rolle spielt Ihre eigene Ausbildungserfahrung in Ihren Überlegungen zum Thema „Fehler“?

wagner-xing-2
Günther Wagner   Foto: privat

Das eigene Erleben beziehungsweise wie jemand sozialisiert wurde, spielt eine sehr große Rolle. Ich denke oft zurück an meine Lehrzeit und daran, wie meine Ausbilder damals mit mir umgegangen sind. Und da gibt es unheimlich prägende Erfahrungen. Heute kann ich mich in bestimmten Situationen fragen: Was hätte dieser oder jener Lehrmeister jetzt wohl geantwortet?

Hat sich in den letzten Jahrzehnten unsere Fehlerkultur verändert?

Der Umgang mit Fehlern liegt in der Natur der jeweiligen Persönlichkeit und ihren sozialen Erfahrungen begründet. Aber: Heute wird anders als früher kommuniziert, vor allem mittels Smartphones, die für heutige Jugendliche ganz selbstverständlich zum Leben dazu gehören. Eine wichtige Frage ist, ob und inwieweit sich die Ausbilder auf eine Kommunikation beispielsweise via E-Mail einlassen. Denn oft verursachen E-Mails, wenn man darin Fehler thematisiert, nur unnötigen Stress, der sich auch noch hochschaukeln kann. Mündlich dagegen ließe sich manche Aussage, die schriftlich als grob empfunden wird, mit einem freundlichen Tonfall ganz anders vermitteln.

Emotionen sind in der Fehleranalyse aber schon zugelassen…?

Selbstverständlich! Nur: möglichst im persönlichen Gespräch. Der emotionale Teil gehört unbedingt dazu, damit der andere begreift, was man meint. Ansonsten bräuchte ich keinen Ausbilder, sondern könnte einen Roboter hinstellen. Lernen muss emotional sein und durchaus mal unter die Haut gehen.

In einem Ihrer Artikel schreiben Sie von einer „positiven Fehlerkultur“. Was verstehen Sie darunter?

Ich meine damit, dass ich das Wort „Fehler“ eigentlich gar nicht mag. Ich rede deshalb auch lieber von „Lernkultur“. Darin ist der Fehler als etwas Sinnvolles integriert, also von seiner negativen Bewertung befreit. Fehler sind nun einmal notwendig – und manchmal nur Fehler aus meiner subjektiven oder kulturellen Brille… Deshalb: Zeit nehmen und die Ursachen besprechen!

Es fragte: Thilo Kunze

Zur Person: Günther Wagner (59), geboren in Greifswald, lebt und arbeitet heute in Salzburg als Unternehmensberater, Management-Coach und Autor (Buch: „Fehler wirken – so oder so“).

Hinweis der Redaktion: In unserer Printausgabe (IV/2018) lesen Sie zu diesem Thema fünf Tipps von Günther Wagner speziell für den Ausbilder.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.