„Der wesentliche Rohstoff für Leistung: gegenseitiges Vertrauen“

Wie sich Unternehmen auf die junge Generation einstellen können, verrät Markus Hornig. POSITION traf sich mit dem Erfolgstrainer und Unternehmensberater im Berliner Steffi-Graf-Stadion, einstiger Austragungsort von Davis-Cup-Spielen.

Als Trainer kennen Sie viele junge Menschen – und als Berater Unternehmen. Verraten Sie uns bitte : Wie tickt mein Azubi ?

(Lacht.) Grundsätzlich anders als der Ausbilder, weil sich die Generationen und auch die Erfahrungen unterscheiden. Die junge Generation sucht heute eher nach Sinn als nach Status. Das primäre Ziel lautet nicht mehr „viel Kohle machen“ oder „einen großen Dienstwagen fahren“, sondern eher „Entwicklungsmöglichkeiten“.

Was bedeutet das für die Unternehmen ?

Die Unternehmen müssen versuchen, ihre jungen Mitarbeiter besser zu verstehen und ihnen entgegenzukommen. Um sie an den Betrieb zu binden, bieten viele Unternehmen heutzutage auch Home­office an oder Sabbaticals oder auch Kinder­betreuung oder sogar einen Bürohund.

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung ?

Das Finanzielle hat vielfach seinen Reiz verloren. Warum ? Weil es den meisten jungen Menschen heute bereits recht gut geht. Den entscheidenden Wandel aber brachte die Digitalisierung. Vor allem ihretwegen ticken die junge Leute heute anders als die Leute meiner Generation. Ich bin Jahrgang 64. In meiner Jugend waren Internet und Handys kein Thema. Bei uns gab es noch drei Fernsehprogramme und eine Handvoll Radiosender. Unsere Freizeit spielte sich vor allem in den Sportvereinen ab – von denen nun viele ums Überleben kämpfen, weil die jungen Leute heutzutage keinen Bock mehr darauf haben. Was man ihnen aber auch nicht vorwerfen kann, denn sie sehen sich einem Überangebot an Möglichkeiten ausgesetzt, von Computerspielen über Social Media bis hin zum Musikdownload. Und da hat es das klassische Vereinsleben eben schwer.

Wie sollten sich „die Alten“ im Umgang mit „den Jungen“ verhalten ?

Sie sollten nicht vom hohen Ross agieren. Sie sind gut beraten, die Lage ernst zu nehmen und sich für die jungen Menschen zu interessieren. Und zwar wirklich zu interessieren. Das bedeutet einen deutlich größeren Aufwand als früher, wo alles noch autoritärer war. Wo der Azubi noch den Kaffee geholt hat. Heute sollte der Chef vorleben, dass für ihn dieselben Kriterien gelten wie für den Azubi, und sich beispielsweise selbst um seine Kaffeetasse kümmern. Nur wenn sich beide Seiten wertschätzen, können sie auf einer Ebene kommunizieren.

Auf einer Ebene ? Der Chef ist doch der Chef… !

Ja, das soll er auf der Arbeitsebene auch sein. Aber zwischenmenschlich muss es partnerschaftlich zugehen. Im Sport kann ich heutzutage mit 16- oder 17-Jährigen auch nicht mehr autoritär wie mit kleinen Kindern reden. Die machen dann nicht lange mit. Einem guten Chef oder einem guten Trainer gelingt es, den Menschen individuell zu betrachten und sich auf unterschiedliche Charaktere einzustellen. Einem Jürgen Klopp – beispielsweise – gelingt das ganz hervorragend.

Jogi Löw war auch mal dafür bekannt. Was ist da bei der Fußball-WM schiefgelaufen ?

Eine gute Frage. Was man deutlich sehen konnte : Es gab kaum Kommunikation auf dem Platz, keinen gemeinsamen Spirit und auch keinen Matthäus oder Effenberg, der sagte : Jetzt reißt Euch mal zusammen ! Im Teamsport sind immer auch Führungspersönlichkeiten gefragt, die das Heft in die Hand nehmen und die Mannschaft mitreißen können.

Wie passt das Leaderprinzip zum Teamgeist ?

Sehr gut sogar ! Einerseits wollen die Teammitglieder ihre Meinung sagen. Das ist ihnen sogar ganz wichtig, sie wollen ernst genommen werden. Andererseits erwarten sie dann auch eine klare Ansage. Das ist in der Wirtschaft wie im Sport : Letztendlich muss jemand eine Entscheidung treffen und für sie geradestehen.

Und wenn es mal schwierig wird… ?

Gerade dann sind starke Führungspersönlichkeiten wichtig. Es darf nur bis zu einem bestimmten Punkt diskutiert werden, und es ist eine hohe Kunst, das Ganze dann so zu managen, dass sich dennoch möglichst alle mitgenommen fühlen. Und : Im Sport ist die Zeit oft viel knapper als in der Wirtschaft. Ein Fußballspiel hat nur 90 Minuten, und in schwierigen Situationen gibt es keine Zeit mehr für lange Meetings. Deshalb heißt der wesentlichste Rohstoff für Leistung : gegenseitiges Vertrauen.

Es fragte : Thilo Kunze


Zur Person. Markus Hornig betreute als Bundesliga-Cheftrainer in Stuttgart, Hannover und Berlin namhafte deutsche Tennisspieler, wie z.B. Nicolas Kiefer. Als Mentaltrainer der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft war Hornig 2016 maßgeblich am Gewinn der olympischen Goldmedaille in Rio beteiligt. Hornig ist Autor mehrerer Sachbücher und arbeitet er als Coach und Trainer in diversen Unternehmen. Des Weiteren ist er als Dozent (u.a. an der Uni Paderborn) und Keynote Speaker tätig.

Hinweis der Redaktion: Das Interview zum Titelthema „Wie tickt mein Azubi“ lesen Sie in der aktuellen Printausgabe. Im Heft bietet Markus Hornig zusätzlich „5 Tipps für den Ausbilder“.

Fotos: Nils Hasenau

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.