Das Motto der Musketiere oder Wie Unternehmen mit Familienfreundlichkeit punkten

Christian Peth arbeitet eigentlich in der Konstruktionsabteilung. Als kurzfristig ein zusätzlicher Großauftrag reinkam, hatte sein Chef Stefan Kauczor ein Problem: Er benötigte dringend noch jemanden in der Fertigung, weil dort ein Kollege schon seit Monaten einen längeren Urlaub geplant hatte. „Eigentlich hätte ich den streichen müssen“, sagt Kauczor, „aber das hätte ich nicht fair gefunden.“ Also fragte er Peth, ob er für ein paar Wochen in der Montage aushelfen könne. 

Eine Gastbeitrag von Lothar Schmitz, Bonn

Auch für Helmut Wirges mussten Kollegen einspringen. Er hatte um zwei Monate Elternzeit gebeten. „Es war keine Frage, das zu genehmigen“, betont Kauczor, „aber die acht Wochen waren trotzdem eine Herausforderung.“ Mithilfe der anderen Beschäftigten ließ sich die Abwesenheit kompensieren – wegen besser Abläufe erklärte sich Wirges jedoch bereit, die Elternzeit erst vier Wochen später als gewünscht anzutreten. Ein längerer Urlaub, acht Wochen Elternzeit – das klingt nach Kleinigkeiten. Für einen kleinen Betrieb mit 14 Beschäftigten hingegen ist es alles andere als einfach, ein familienfreundliches Unternehmen zu sein.Der Stahlteam GmbH aus Troisdorf bei Bonn gelingt es trotzdem. „Ich empfinde das als selbstverständlich“, sagt Geschäftsführer Kauczor, „denn ich selbst möchte jeden Tag gerne hier arbeiten, und das soll den Beschäftigten genauso gehen!“

Das kleine Unternehmen hat sich auf Konstruktion, Fertigung und Montage von Sondermaschinen spezialisiert, die in der Kunststoffindustrie zum Einsatz kommen. Dabei spielt die zweite Silbe des Firmennamens eine zentrale Rolle. „Wir verstehen uns wirklich als Team“, unterstreicht Kauczor, „denn das ist die Voraussetzung dafür, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch anbieten und leben zu können!“

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Bei der ­Firma Stahlteam gelingt die Familien­freundlichkeit. „Ich empfinde das als selbstverständlich“, sagt Geschäftsführer Kauczor (rechts). Sein Mitarbeiter Helmut Wirges (links, mit Kind) hatte um ­Elternzeit gebeten.   Fotos (2): Jo Hempel

Bei Stahlteam gilt das Motto der Musketiere: Einer für alle, alle für einen. „Dadurch, dass alle bereit sind einzuspringen, können wir einzelnen immer wieder den Freiraum bieten, sich zum Beispiel ums eigene Kind oder pflegebedürftige Eltern kümmern zu können“, erläutert der Geschäftsführer das Prinzip. Das kommt offenkundig an: Die Fluktuation ist sehr gering, und es spricht sich in der Region herum, dass es Stahlteam mit der Familienfreundlichkeit ernst nimmt.

Attraktivität als Arbeitgeber steigt

Das Thema Familie und Beruf wird bei der Fachkräftesicherung immer wichtiger“, weiß Kirsten Frohnert. „Gelebte Familienfreundlichkeit signalisiert Beschäftigten Wertschätzung und steigert die Attraktivität als Arbeitgeber“, ergänzt die Projektleiterin des Netzwerkbüros Erfolgsfaktor Familie, angesiedelt bei der DIHK Service GmbH.

Wie Studien immer wieder zeigen, stehen dem Arbeitsmarkt desto mehr Fachkräfte zur Verfügung, je besser Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt. „Dabei geht es nicht nur um Mütter und Väter mit kleinen Kindern“, verdeutlicht Frohnert, „sondern auch um Erwerbstätige, die einen Angehörigen pflegen.“

Mit Willkommenstagen und Informationsbroschüren, persönlicher Beratung und vor allem einem Netzwerk aus über 7.000 Arbeitgebern unterstützt das Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ Betriebe dabei, Familienbewusstsein zu entwickeln und zum familienfreundlichen Unternehmen zu werden. Dabei steht jeder Arbeitgeber vor ganz eigenen Herausforderungen.

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ wurde im Jahr 2007 vom Bundesfamilienministerium und dem DIHK als zentrale Plattform für familienfreundliche Unternehmen gegründet. Seither wächst es kontinuierlich. Das Netzwerkbüro mit Sitz in Berlin unterstützt mit seinen Angeboten vor allem kleine und mittlere Betriebe bei der praktischen Umsetzung einer familienfreundlichen Personalpolitik. Neue Mitglieder und am Netzwerk Interessierte werden regelmäßig zu Willkommenstagen eingeladen.

(Auszug, aktualisiert. Den kompletten Beitrag lesen Sie in der POSITION IV/2018.)

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