Der kurze Weg vom Auszubildenden zum Geschäftsführer

Eine gute Feedbackkultur im Unternehmen sorgt für gute Stimmung, Motivation und Erfolg. Wer regelmäßig mit seinen Auszubildenden spricht, verliert keine Zeit, sondern gewinnt geeignetes Personal. Das zeigen die Geschichten der Ex-Azubis Philipp Palaske und Hans Clauß.

Ein Gastbeitrag von Wilko Döll

„Ich bin ein Spätstarter“, sagt Philipp Palaske von sich. „Die achte Klasse habe ich damals erst in der zweiten Runde geschafft“, blickt der 29-Jährige zurück. „Ich habe erst etwas später begriffen, worauf es in der Schule und im Beruf ankommt.“ Heute ist er einer der jüngsten Geschäftsführer in Brandenburg. Seit Januar trägt er Mitverantwortung für die MAYER Kanalmanagement GmbH in Rüdersdorf bei Berlin. Das Unternehmen betreut für Kommunen und Industriebetriebe in Berlin, Brandenburg und Norddeutschland Kanäle und Kanalsysteme. Philipp Palaske leitet seit Jahresbeginn den operativen und technischen Bereich des Unternehmens. „Mit der Erweiterung der Geschäftsführung wollen wir die Kommunikation zu unseren Kunden und auch unter den Mitarbeitern verbessern“, sagt Carsten Christ. Der bisher alleinige Geschäftsführer behält die strategische Planung und die kaufmännische Leitung des Unternehmens. Er ist als Präsident der IHK Ostbrandenburg auch ehrenamtlich stark engagiert. „Außerdem werde ich demnächst 50 und möchte deshalb auch einen Teil der Verantwortung an die jüngere Generation übergeben.“

Die beiden Geschäftsführer der MAYER Kanalmanagement GmbH: Philipp Palaske (links) und Carsten Christ. Foto: Wilko Döll

Innerhalb von zwölf Jahren stieg Philipp Palaske vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer eines 60-Mann-Unternehmens auf. Im Jahr 2007 war er der erste Auszubildende der Firma. Zuvor hatte er dutzende Bewerbungen geschrieben und dutzende Ablehnungen erhalten. „Dann habe ich im Fernsehen eine Reportage über die Arbeit in Kanälen gesehen, zufällig eine Zeitungsanzeige von Mayer entdeckt, hier eine Woche zur Probe gearbeitet und dann den Lehrvertrag unterschrieben“, erzählt der 29-Jährige. Nach drei Jahren war er dann eine Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Nach einigen Jahren qualifizierte sich Philipp Palaske zum Meister. „Ich habe hier von Anfang an gute berufliche Chancen bekommen und viel über ein faires Miteinander gelernt“, sagt der 29-Jährige. „Er hat bei all seinen Einsätzen im Unternehmen immer durch Leistungen überzeugt und sich auch nicht gescheut, in Diskussionen seine Positionen zu verteidigen“, sagt sein Förderer Carsten Christ.

Er hat bei all seinen Einsätzen immer durch Leistung überzeugt.“

Carsten Christ über seinen jungen Co-Geschäftsführer Philipp Palaske

Mit Auszubildenden reden und sie motivieren

„Als ich im Jahr 2007 als Auszubildender in die Firma kam, war sie noch klein, hatte kaum 20 Mitarbeiter“, schaut Philipp Palaske zurück. „Diese familiäre Atmosphäre mit den kurzen Wegen in der Kommunikation hat mir sehr geholfen.“ Heute sind über 60 Mitarbeiter im Rüdersdorfer Kanalmanagement tätig, acht davon Auszubildende. Das Unternehmen bildet Fachkräfte für Rohr, Kanal- und Industrieservice sowie Abwassertechnik, Berufskraftfahrer und Bürokaufleute aus. Die gewerblichen Auszubildenden werden inzwischen von Philipp Palaske betreut. Ihm ist eine gute Kommunikation zu den Lehrlingen sehr wichtig. „Es gibt alle vier bis sechs Wochen eine Azubirunde bei uns, da kann jeder vom Leder ziehen und erzählen, was gut läuft in der Ausbildung, was ihn bedrückt, wo es Probleme gibt und wo Hilfe nötig ist.“ Außerdem gibt es in den Gruppen der kaufmännischen und gewerblichen Auszubildenden jeweils einen Azubisprecher. „Auch die reden regelmäßig mit uns.“ Neben der guten Kommunikation setzt das Unternehmen aber auch auf eine gute finanzielle Motivation. „Für jede Eins in einer Klassenarbeit in der Berufsschule zahlen wir 100 Euro, und für eine Zwei gibt es 50 Euro.“ Wer zur Hälfte der Ausbildung einen Zensurendurchschnitt von 2,0 oder besser hat, bekommt den Pkw-Führerschein von der Firma bezahlt.

Ein faires Miteinander und eine gute Kommunikation sind entscheidende Faktoren, um geeignetes Personal zu finden und zu halten. Foto: MAYER Kanalmanagement

33 Berufseinsteiger hat das Unternehmen in Rüdersdorf seit 2007 ausgebildet oder sind noch in der Lehre. Für einige war die Ausbildung zu schwer, und sie haben sie trotz Unterstützung abgebrochen, andere zogen nach der Ausbildung der Liebe hinterher oder ließen sich auch abwerben. Mehr als ein Viertel der früheren Auszubildenden sind in der Firma geblieben. „Wir bilden ja zielgerichtet für uns aus, wollen die Leute behalten, denn das Unternehmen soll weiterwachsen und benötigt dafür gut ausgebildetes Personal“, betont der junge Geschäftsführer. Die Vergabe der neuen Ausbildungsplätze im Sommer geht die Firma deshalb ohne Zahlenvorgaben an. „Finden wir zwei geeignete Kandidaten für die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, gibt es zwei Plätze, sollten aber fünf Kandidaten geeignet sein, vergeben wir auch fünf Ausbildungsplätze.“  

Deutschlands Jahrgangsbester in der Berufsausbildung

Geschäftsführer ist Hans Clauß aus Schwedt im Nordosten Brandenburgs nicht. Er aber hat im vergangenen Jahr einen wertvollen Titel erkämpft. Er schloss bei Leipa Nord seine dreijährige Ausbildung zum Papiertechnologen mit 92 Punkten ab und wurde damit Bundesbester in seiner Berufsgruppe. „In der Schule habe ich die Lust aufs Abi verloren, der Ehrgeiz kam dann aber in der Lehre zurück.“ 2015 begann er seine dreijährige Lehre zum Papiertechnologen. „Wir brauchen Mitarbeiter, die komplexe Systeme beurteilen und steuern können“, erklärt Norbert Boese, der Ausbildungskoordinator für Papiertechnologie bei Leipa Nord. „Der Hans ist so einer, der hat Talent und jetzt auch alle Fähigkeiten.“

Der Hans ist so einer, der hat Talent und jetzt auch alle Fähigkeiten.“

Norbert Boese, Ausbildungskoordinator bei Leipa Nord
Hans Clauß in der Schalterwarte der Rohstoffaufbereitung. Foto: Wilko Döll

Die Ausbildung erfolgte in abwechselnden Wochenblöcken bei Leipa Nord direkt in der Papierproduktion und in der Papiermacherschule in Altenburg. „Dieser Wechsel war gut, denn so konnte ich das in der Schule Gelernte, gleich immer in der Praxis überprüfen.“ Außerdem hat das Unternehmen noch ergänzende Fortbildungskurse organisiert. „Wir haben eine Ausbildungskooperation mit der Raffinerie PCK hier in Schwedt, und so können Auszubildende von uns dort Kurse in Verfahrenstechnik sowie Mess- und Regeltechnik belegen.“ Auch Hans Clauß hat so einige Wochen in einem anderen großen Unternehmen verbracht und dabei nicht nur fachlich seinen Horizont erweitert.

Fragende Auszubildende erwünscht

„Wir animieren unsere Auszubildenden ständig, überall Fragen zu stellen“, erklärt Norbert Boese. „Während der Arbeit erfahren sie so direkt an den Anlagen innerhalb der Produktion, wie die Rohstoffe für die Papierherstellung beschaffen sein müssen und wie sie als Anlagenfahrer darauf Einfluss nehmen können.“ Außerdem gab es jeden Freitag während der Ausbildung Konsultationen, in denen die Fragen behandelt wurden, die der Facharbeiter vor Ort spontan nicht beantworten konnte. Kurz vor der Prüfung fanden dann noch in der Schule in Altenburg und bei Leipa Süd in Schwedt intensive Vorbereitungskurse statt. Der Aufwand hat sich gelohnt. Mit 92 Punkten kam Hans Clauß aus seinen dreitägigen Prüfungen heraus. „Ich habe erst später per Post erfahren, dass ich das bundesweit beste Ergebnis in der Ausbildung zum Papiertechnologen erzielt habe.“ Vom Unternehmen gab es als Belohnung einen Reisegutschein und den unbefristeten Arbeitsvertrag.

Momentan arbeitet er in der Rohstoffaufbereitung. Er und seine Kollegen kümmern sich darum, dass aus Altpapier wieder neues Papier wird. „Ganz vereinfacht gesagt, wird das Altpapier von uns sortiert, von allen Fremdstoffen befreit, mit Wasser vermischt, aufgelöst und dann zu einem faserigen Brei verdickt, aus dem dann später das neue Papier entsteht“, erklärt Hans Clauß. Leipa Nord produziert aus Altpapier besonderes Papier für die Verpackungsindustrie. Allerdings geht nicht jeder mit dem Abfall sorgsam um. „Manch einer entsorgt mit seinem Papier auch gleich noch Werkzeuge, Plastiktüten und andere Dinge in die Sammeltonnen“, ärgert sich Hans Clauß. „Die müssen wir dann hier aus dem Altpapier wieder raussortieren“, ergänzt sein Ausbildungskoordinator und zeigt dabei auf große Haufen mit geschredderten Plasteabfällen neben der Altpapieraufbereitungsanlage. An dieser Anlage wird der junge Papiertechnologe vorerst arbeiten und praktische Erfahrung sammeln. Später wird er dann seinen eigentlichen Arbeitsplatz an der erst im vergangenen Jahr angelaufenen neuen Papiermaschine einnehmen.

Hans Clauß und Norbert Boese prüfen an der Aufbereitungsanlage die durchfließenden Stoffe. Foto: Wilko Döll

Nach Abschluss seiner Berufsausbildung möchte er vorerst nicht zurück auf die Schulbank. Ein Studium schließt er jetzt noch aus. „Aber eine Meisterausbildung könnte ich mir später vielleicht vorstellen“, schaut Hans Clauß in die Zukunft. „Als Meister könnte er Schichtleiter oder Prozessingenieur bei uns werden“, sagt Norbert Boese. „Der demografische Wandel geht auch an uns nicht spurlos vorbei, demnächst brauchen wir junge verantwortungsbewusste und kluge Mitarbeiter, die die ausscheidenden Kollegen in Leitungspositionen ersetzen.“ Hans Clauß wäre so einer.

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