„Deutsche Unternehmen finden in Mexiko zunehmend besser ausgebildete Fachkräfte“

An zahlreichen Standorten weltweit sind die deutschen Auslandshandelskammern in die duale Berufsbildung eingebunden, denn viele deutsche Unternehmen bilden auch im Ausland nach dem deutschen Modell aus. In Mexiko unterstützt die AHK darüber hinaus den Aufbau eines nationalen Modells für die duale Ausbildung. Der stellvertretende Geschäftsführer und Koordinator der Abteilung für Berufsausbildung, Andreas Müller, erklärt die Details.

Das Interview führte: Björn Lisker

Herr Müller, seit wann ist die AHK in der dualen Berufsausbildung in Mexiko aktiv?

Die Ausbildung nach dem deutschen Modell begleiten wir schon seit Jahrzehnten. Es gibt verschiedene – vor allem natürlich deutsche – Unternehmen, die in Mexiko nach den Vorgaben aus Deutschland ausbilden. Die AHK ist in die Ausgestaltung der Ausbildung und in die Abschlussprüfungen eingebunden. Denn ohne die AHK gibt es im Ausland kein vom DIHK anerkanntes Zertifikat am Ende der Ausbildung.

Andreas Müller von der AHK Mexiko

Seit 2013 beraten wir zusätzlich die mexikanische Regierung und Unternehmerverbände bei der Ausgestaltung eines mexikanischen Modells der dualen Ausbildung. Dies machen wir in enger Koordination mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, mit der Deutschen Botschaft in Mexiko, mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und mit Vertretern aus Österreich und der Schweiz.

Wie kam es zu der Initiative für ein mexikanisches Ausbildungsmodell?

In den industriellen Zentren des Landes werden qualifizierte Arbeitnehmer knapp. Das kann Investitionen bremsen. Mexikos Regierung erkannte, dass es einen großen Bedarf an Arbeitnehmern gibt, die über Fachkenntnisse verfügen, ohne gleich ein Ingenieurstudium absolviert zu haben. Das deutsche Modell der dualen Ausbildung ist weltweit anerkannt und wurde von uns schon seit Jahren immer wieder vorgestellt. Nachdem es viele Jahre lang bei Absichtserklärungen seitens der mexikanischen Regierungen geblieben war, ging es dann an die Umsetzung des Vorhabens.  

Mittlerweile gibt es in Mexiko eine neue Regierung. Setzt sie das Vorhaben fort?

Ja, die neue Regierung hat erklärt, dass sie das Modell rasch landesweit ausbauen will. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Niels Annen hat im Juli mit Mexikos Bildungsminister Moctezuma und mit der Arbeitsministerin Alcalde eine Erklärung über die weitere Zusammenarbeit unterzeichnet. Das unterstreicht das große Engagement der deutschen Bundesregierung in dieser Angelegenheit. Deutschland ist ein verlässlicher Partner nicht nur, wenn es um die langfristigen Aktivitäten der deutschen Unternehmen im Land geht. Deutschland steht unterstützend auch dann zur Seite, wenn es um ein solches, zunächst einmal ja rein mexikanisches Thema geht.

Gibt es Widerstände?

Duale Ausbildung ist kein Selbstläufer. Auch in Deutschland müssen wir uns ja immer wieder die Vorteile vergegenwärtigen. In Mexiko gilt es, möglichst viele Unternehmer davon zu überzeugen, in die Ausbildung der jungen Menschen zu investieren. Derzeit gibt es landesweit 4000 Auszubildende.  Die werden vor allem in technischen Berufen im Automobilsektor sowie im Dienstleistungsbereich   ausgebildet. Jetzt soll das System rasch wachsen, neue Ausbildungsgänge etwa in der Logistik oder im Tourismus müssen hinzukommen. Die Regierung hat die Zielmarke von 100.000 Auszubildenden ausgegeben. Das ist sportlich.

Wie ist ihre persönliche Bilanz?

Es ist schon etwas Besonderes, einen Beitrag zum Aufbau eines Ausbildungsmodells zu leisten, das jungen Menschen eine Perspektive gibt. Das sehe nicht nur ich so, das gilt auch für meine neun Kollegen, die in der Abteilung für Berufsbildung tätig sind. Mexiko hat die im Vergleich zu Deutschland umgekehrte Bevölkerungspyramide: Jahr für Jahr stürmen viele junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, finden aber keine Stelle. Das wird mit dem mexikanischen Ausbildungsmodell zumindest ein wenig abgefedert.

Und natürlich macht das Vorhaben auch aus Sicht der deutschen Unternehmen Sinn, denn sie finden in Mexiko zunehmend besser ausgebildete Fachkräfte vor.


Großes Bild: Eine Absichtserklärung zur Fortführung der Kooperation in der Berufsbildung unterzeichneten Regierungsvertreter aus Deutschland und Mexiko am 4. Juli 2019 in Mexiko-Stadt.

Fotos: AHK Mexiko


Weitere Informationen zum Thema: mexiko.ahk.de

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