„Das Smartphone auch als Arbeitsmittel nutzen“

Smartphone im Büro
Ist das Smartphone am Arbeitsplatz Störfaktor oder Arbeitsmittel? © GettyImages/FG Trade
Keine Verbote, aber klare Regeln für den Umgang mit Handys im Ausbildungsbetrieb, dazu rät Michael Härtel (BIBB) im Interview.
Tonia Sorrentino
Tonia Sorrentino
Journalistin für Recruiting & Human Ressources, Foto © Anna Schwartz
Michael Härtel leitet den Bereich „Lehren und Lernen, Bildungspersonal“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Foto © BIBB

Smartphones sind zu unseren Alltagsbegleitern geworden. Wie wirkt sich das in den Ausbildungsbetrieben aus ?

Heutzutage gehen bei den meisten Menschen permanent neue Nachrichten auf dem Smartphone ein. Selbstverständlich hat es negative Auswirkungen auf die Arbeit, wenn man ständig auf sein Gerät schaut, statt zum Beispiel die Maschine in der Fabrikhalle ordentlich zu bedienen oder einen Arbeitsprozess nicht regelmäßig zu unterbrechen. Deshalb ist es essenziell, Regeln zum Umgang aufzustellen. Auch Ausbilderinnen und Ausbildern ist klar, dass Auszubildende ihre Geräte nutzen und nichts verpassen wollen. Auszubildende sind heutzutage „always on“, auch wenn das Smartphone im Augenblick nicht greifbar sein sollte.

In der Pause ist das auch kein Thema – während der Arbeitszeit haben die Auszubildenden ihre privaten Nachrichten und das Surfen im Netz aber nicht zu interessieren. An diese Regeln müssen sich alle halten, sie müssen genauso verbindlich gelten wie beispielsweise Pünktlichkeit, Schutzmaßnahmen, Gesundheitsprävention und Alkoholverbot. Allerdings sind Regelungen rund um Smartphones etwas schwieriger zu handhaben, weil das Thema viele Grauzonen hat. Man muss es daher sehr bewusst, konstruktiv und reflektiert angehen. Fakt ist : Regeln zum Datenschutz gehören genauso zu einer betrieblichen Einführungsveranstaltung wie die Sicherheitseinweisungen. Dazu zählt wiederum die Regelung, die Auszubildenden aufzuklären, dass das Smartphone im Arbeitskontext genutzt wird, wenn es angebracht ist, aber zum Beispiel nicht für Filme und Fotos – wegen wettbewerbsrelevanter interner Fertigungsprozesse.

Wie können Betriebe Ihre Empfehlung zum konstruktiven Umgang mit Smartphones konkret umsetzen ?

Die duale Ausbildung muss zukunftsfähig gestaltet sein. Dazu gehört, das Smartphone während der Arbeitszeit in passenden Situationen als Arbeitsmittel auch nutzen zu können. Am besten werden die Auszubildenden von Beginn an mit dem Thema vertraut gemacht. So erkennen sie in der Folge die Regeln zum Umgang mit dem Smartphone besser an.

Das Heranführen kann fachlich-spielerisch erfolgen, zum Beispiel als Info-Rallye, bei der die neuen Azubis ein Drei-Minuten-Video von ihrem ersten Tag im Betrieb mithilfe des Smartphones erstellen. Mit dieser Aufgabe kann man direkt das Notwendige kombinieren und sie über die Abläufe und Regeln bezüglich der Smartphone-Nutzung auf dem Firmengelände informieren. Da ist man schnell beim Personen- und Datenschutz, der den jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unbedingt präsent sein muss : Dazu gehört zum Beispiel, dass man bestimmte Personen oder Prozesse nicht oder nur nach verbindlicher Absprache filmen darf. Oder sie erfahren, nach welchen Regeln sie das Video weiterverwenden können.

Die betriebliche Informationsbeschaffung und Visualisierung via Smartphone sind weitere sinnvolle Einsatzgebiete: Man fotografiert auf der Baustelle eben eine Arbeitssituation und schickt das Bild mitsamt einer damit verbundenen Frage in die Firma, oder man informiert sich, ob ein vor Ort fehlendes Ersatzteil auf Lager ist. Man könnte auch eine kleine App bauen, in der man verabredet, wer mittags das Essen holt, oder ein Quiz-Tool entwickeln, in dem im Wettbewerb mit den anderen Auszubildenden Fragen zum Unternehmen beantwortet werden können. Überdies können Ausbildungsverantwortliche kleine Lernaufgaben an die Auszubildenden stellen, die sie mit dem Smartphone bearbeiten müssen.

Die Tatsache, dass das Smartphone in diesem positiven Sinne genutzt werden kann, erhöht die Anerkennung von Status und Respekt seitens der Auszubildenden. Mithilfe eines solch reflektierten und konstruktiven Einstiegs können Ausbildungsverantwortliche leichter einen Übergang in den Arbeitsalltag auch ohne Smartphone vermitteln. Etwa so: Wir haben jetzt gesehen, wie gut Ihr das Handy bei der Arbeit nutzen könnt. Jetzt geht es zum Beispiel darum, einen Kabelbaum zu legen oder den Transporter zu beladen – da gehört das Smartphone definitiv in die Tasche.

Wie sollten Ausbilder und Vorgesetzte reagieren, wenn Azubis die Regeln zum Smartphone-Umgang vermehrt missachten ?

Grundsätzlich muss sich jeder Betrieb zunächst die Frage stellen, wie sehr solch ein Verhalten eher schädlich sein kann. Für diejenigen, die gerade eine Ausbildung beginnen, öffnet sich eine neue Welt, die Arbeitswelt – das ist erst einmal eine grundlegende Umstellung, denn ein Betrieb ist ein ganz anderes Umfeld als die Schule. Mit den dazugehörigen spezifischen Regeln.

Wenn die gebrochen werden, setzt sich ein Sanktionsmechanismus in Gang : zum Beispiel ein erstes Gespräch, noch ein Gespräch, eine Abmahnung – und dann kommt man nur noch sehr schwer aus der Eskalationsstufe heraus. Dazu sollte man es jedoch eben durch einen bewussten Umgang mit digitalen Werkzeugen, hier : dem Smartphone, tunlichst nicht kommen lassen. Im Gespräch sollte man die betreffende Person immer erst einmal fragen, was los ist, und warum sie das Handy schon wieder in der Hand hatte, obwohl über die Regeln gesprochen wurde. Und man sollte ganz deutlich machen können, dass das in der betreffenden Situation nicht erforderlich war und nicht erneut passieren sollte.

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