„Digitalisierung muss unterm Brennglas weiterentwickelt werden“

Das Smartphone als Werkzeug der Digitalisierung
Die Mischung macht’s : Robin Sudermann glaubt nicht daran, dass alles, was im Moment digitalisiert wird, auch digital bleiben wird. POSITION sprach mit dem CEO und Co-Gründer der talentsconnect AG.
Carolin Cremer-Kruff
Carolin Cremer-Kruff
Textconsultant

Robin Sudermann ist Wirtschaftspsychologe und hat seine Master Thesis unter dem Titel „Vom Marketing zum Societing“ publiziert. Er verfügt über einschlägige Erfahrungen in der Beratung und Entwicklung von Marken sowie in der Umsetzung von Employer Branding und Recruiting. Im März 2013 hat er auf Basis dieser Erfahrungen das Unternehmen talentsconnect AG gegründet, das in diesem Jahr mit dem Produkt „Sofastart“ eine digitale Ausbildungsmesse auf den Markt brachte.

Portrait Robin Sudermann
Robin Sudermann CEO und Co-Gründer © talentsconnect AG

Bewerben in Zeiten von Corona – geht das überhaupt ?

Ja, aber anders als gewohnt. Der Digitalisierung sei Dank. Denn persönliche Kontakte sind ja zurzeit stark eingeschränkt bzw. gar nicht möglich. Besonders betroffen ist der Bereich Ausbildung. Schnuppertage in Unternehmen, Bewerbungsmessen, Schulbesuche und Informationstage ? Keine Chance. Da sind halt andere Lösungen gefragt, um dennoch beide Seiten zusammenzubringen.

Sind solche digitalen Angebote nur „Notlösungen“ in Krisenzeiten ?

Nein. Die Digitalisierung hat auch vorher im Recruiting-Bereich schon eine Rolle gespielt. Aber gerade unterm Brennglas muss sie weiterentwickelt werden, damit Unternehmer handlungsfähig bleiben. Dennoch muss man differenzieren. Nicht alles, was im Moment digitalisiert wird, wird auch in Zukunft digitalisiert bleiben.

Können Sie Beispiele nennen ?

Gerade die ersten Bewerbungsphasen vom ersten Kontakt bis zum Auswahlprozess kann ich sehr gut digital durchführen. Große Unternehmen mit mehreren Tausend Bewerbern pro Jahr profitieren sogar davon enorm. Denn über Künstliche Intelligenz lässt sich in superschneller Geschwindigkeit extrem viel auswerten. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass bestimmte Kontakte wie ein Bewerbungsgespräch auch in Zukunft noch von Angesicht zu Angesicht geführt werden. Denn was letztlich die Qualität der Interaktion zwischen Menschen ausmacht, kann ich nicht digitalisieren. Momentan finden viele solcher Gespräche notgedrungen per Videokamera statt. Daran werden wir uns gewöhnen, ohne die Qualität im persönlichen Austausch zu reduzieren.

Sie plädieren auch dafür, Eltern beim Thema Ausbildung mit einzubeziehen. Warum ?

Gerade wenn es um die Ausbildungswahl geht, die erste richtig große Entscheidung im Leben eines jungen Menschen, sind die Eltern ganz wichtige Ansprechpartner. Um beim Thema Ausbildungsmessen zu bleiben : Oft hatten wir dort den Fall, dass die Mutter mit ihrem Kind im Schlepptau an den Stand kam und die Fragen stellte. Daher solle man bei der Ansprache von potenziellen Azubis unbedingt auch die Eltern oder andere Bezugspersonen mit ins Boot holen. Sie spielen keine unwesentliche Rolle beim Entscheidungsprozess.

Wie sieht generell das Azubi-Marketing der Zukunft aus ?

Dabei gibt es einen ganz zentralen Aspekt : Das Thema Berufsausbildung ist und bleibt regional, auch wenn Unternehmen bundesweit oder global aufgestellt sind. Für einen Anlagenmechaniker in Sachsen-Anhalt brauche ich auch digital eine andere Ansprache als für einen Bürokaufmann in Essen. Darüber hinaus sind Social-Media-Kanäle heutzutage unerlässlich, um potenzielle Auszubildende überhaupt zu erreichen.

Warum setzen Sie sich überhaupt gezielt für den Bereich Ausbildung ein ?

Ich bin davon überzeugt, dass die Ausbildung in Deutschland ein wichtiger Pfeiler des Mittelstands ist. Wir können stolz darauf sein, dass wir ein so hochwertiges Ausbildungssystem haben. Leider hat es in den letzten Jahren etwas unter der Akademisierung gelitten. Für die Wirtschaft ist es aber enorm wichtig, gerade jetzt Fachkräfte zu rekrutieren. Die Ausbildung ist wichtig und darf auch in Krisenzeiten nicht vergessen werden !

Expertentipp von Robin Sudermann

  1. Schaffen Sie sich ein klares Bild von den Menschen, die Sie mit dem jeweiligen Berufsbild in der Region ansprechen möchten.
  2. Finden Sie heraus, wo sich Ihre Zielgruppe „aufhält“ : auf dem Smartphone, in welcher App, zu welchem Thema ? Dafür benötigt es Unterstützung von Experten.
  3. Bauen Sie einen digitalen Messestand, der Ihre Botschaften und Angebote gezielt wie eine „Ausbildungsbroschüre“ transportiert, aber immer im Netz verfügbar ist.
  4. Veranstalten Sie eine Messe, wenn Sie mit Interessenten, Eltern oder Bewerbern sprechen möchten, und nutzen Sie Live-Vorträge und persönliche Chats, die den Offline-Kontakt ersetzen.
  5. Werten Sie Ihre Ergebnisse aus und setzen Sie sich immer neue Ziele, um die 5 Schritte kontinuierlich zu optimieren.

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