„In den Köpfen junger Menschen präsent sein“

Partnerschaft mit Schulen
Neuhaus am Rennweg: Laura (12 Jahre, links) und Tarja (11) sägen in der Jugend-Unternehmerwerkstatt. © Michael Reichel
Bildungspartnerschaften können « voll ins Schwarze » treffen. Das zeigt ein Beispiel aus Thüringen.
Sebastian Haak
Sebastian Haak
Freier Journalist, Foto © Michael Reichel

Diejenigen, die an diesem Morgen in diesem umfunktionierten Besprechungsraum kleben und sägen, haben Glück gehabt. Doppelt.

Zum Ersten, weil noch mehr Schüler in die sogenannte Jugend-Unternehmerwerkstatt in Neuhaus am Rennweg kommen wollten. Zu dieser Doppelunterrichtsstunde der etwas anderen Art. „Am Ende hat deshalb das Los entschieden“, sagt die Lehrerin Claudia Jäger, die die Schüler begleitet.

Zum Zweiten, weil die Jungen und Mädchen hier Dinge lernen, die ihnen sichtbar Spaß machen. Die Schüler formulieren das so : „Hier wird was erklärt – und wir können gleich praktisch loslegen. Im Unterricht schreiben wir vor allem Sachen auf.“

Partnerschaft von Schule und Wirtschaft

Möglich macht das alles eine Partnerschaft zwischen der Gemeinschaftsschule „Am Rennsteig“ und dem Wirtschaftsverbund „obenauf“, in dem sich verschiedene Unternehmen aus dem Südosten Thüringens zusammengeschlossen haben. Mitinitiator ist die IHK Südthüringen, in deren Bereich es inzwischen etwa ein Dutzend Jugend-Unternehmerwerkstätten gibt. „Mit dem Projekt treffen wir voll ins Schwarze“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas.

Die Werkstatt in Neuhaus vermittelt den Schülern grundlegende handwerkliche Fähigkeiten. „Keines der beteiligten Unternehmen hätte die Ressourcen, so etwas alleine zu stemmen“, sagt Philipp Müller von GBneuhaus. Alle Partnerbetriebe verbinde hier dieselbe Herausforderung : die Suche nach Fachkräftenachwuchs.

„Wir wollen in den Köpfen der jungen Menschen präsent sein“, sagt Müller. „Genau der richtige Ansatz“, findet DIHK-Ausbildungsexpertin Elisabeth Bartke. „Vielerorts liegt die Abiturientenquote mittlerweile bei über 50 Prozent. Darunter leidet das Image der dualen Berufsausbildung. Daher setzen wir uns tagtäglich mit Hochdruck für die Gleitwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung ein.“

Nicht jeder der Schüler, die hier werkeln, wird später einmal eine Lehre beginnen. Das ist allen klar. „Ich möchte studieren“, sagt Laura, die eben noch mit einer Freundin gesägt hat. Doch selbst, wenn sich junge Menschen nach so einem Projekt vorerst nicht für eine Ausbildung entscheiden, steige bei ihnen die Achtung für das, was in Lehrberufen erarbeitet wird, so Bartke.

DIHK-Leitfaden für Unternehmen und Schulen

Enge Kontakte zwischen Schulen und Betrieben tun not, verlassen doch rund 40 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne konkreten oder realistischen Berufswunsch.

Bildungspartnerschaften können dem entgegenwirken. In dem 24-seitigen Leitfaden stellt der DIHK entsprechende Hilfsangebote der Industrie- und Handelskammern vor, beschreibt einen idealtypischen Ablauf eines Partnerschaftsprojektes und berichtet von Best-Practices. Die Publikation enthält zahlreiche Mustervorlagen und praktische Checklisten.

Sie können die Publikation beim DIHK-Verlag beziehen.

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