Wer etwas Neues will, muss das Alte wegwerfen!

Tischtennismatch zwischen Thilo Kunze & Frank Eilers
Frank Eilers (rechts) spielt gerne Tischtennis. POSITION interviewte ihn dabei zur neuen Arbeitswelt und zum IHK-Podcast „Sei ein Mentor“. © Thilo Schoch
Nach Corona bleibt nichts mehr, wie es war, ist sich der Arbeitsphilosoph Frank Eilers sicher. Wie Unternehmen diesen Härtetest meistern und was der IHK-Podcast „Sei ein Mentor“ bewirken will, verrät er im Interview.
Carolin Cremer-Kruff
Carolin Cremer-Kruff
Textconsultant

Der ehemalige Stand-up Comedian spricht als Keynote Speaker über die Themen Digitalisierung, Innovation, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Auch in Corona-Zeiten steht er analog wie digital auf der Bühne und übersetzt spezielle Themen für ein breites Publikum. Eilers ist gebürtiger Ostfriese und lebt in Berlin.

Portrait Frank Eilers
Frank Eilers © Th. Schoch

„Je digitaler die Welt wird, desto mehr Mensch brauchen wir.“

Frank Eilers, Podcaster

Die Corona-Krise hat vieles verändert. Auch unsere Arbeitswelt?

Auf jeden Fall. Wobei sie keine wirklich neuen Dinge hervorgebracht hat. Insbesondere der Trend Digitalisierung wurde nur beschleunigt. Der Shopify-Gründer Tobias Lütke hat es auf den Punkt gebracht: Das, was wir für 2030 erwartet haben, wurde nun mal eben zehn Jahre vorgezogen. Fakt ist: Corona hat unser Leben verändert, und nichts wird mehr so sein wie vorher. Die Zukunft der Arbeit und Corona können wir nicht mehr getrennt voneinander betrachten.

Wie sind Sie eigentlich mit der Situation umgegangen?

Ein Freund von mir war im Januar in China und hat mir von den ersten Corona-Fällen dort erzählt. Daraufhin habe ich sofort für mich einen Krisenplan entwickelt. Dieser war Gold wert, denn ohne ihn hätte ich meine Arbeitsweise nicht so schnell umstellen können, als sich das Virus auch bei uns ausgebreitet hat. Auf einmal hatte ich ja ein ganz anderes Leben. Ich dachte immer: Auf Bühnen stehen ist das Tollste, was ich machen kann. In dem Moment, in dem ich das nicht mehr durfte, war ich offen für andere Dinge.

Stichwort New Work: Wie arbeiten wir denn überhaupt in Zukunft?

Alles, was digital abgebildet werden kann, wird auch digital abgebildet. Das heißt aber nicht, dass der Mensch hintenüberkippt. Meine Hypothese lautet: Je digitaler die Welt wird, desto mehr Mensch brauchen wir. Denn es wird schwer sein, Bereiche wie Kommunikation, Empathie und Liebe vollständig zu digitalisieren. Grundsätzlich gilt: Die Haupttriebfeder, um etwas Neues zu kreieren, besteht immer darin, dass man das Alte wegschmeißt. Dafür braucht es Visionen, Mut und auch Experimentierfreude. Welche Formen, Prozesse und Strukturen am besten funktionieren, wird man schrittweise lernen und kontinuierlich anpassen. Eins steht fest: Die Arbeit, so wie wir sie kennen, wird es morgen nicht mehr geben. Die Arbeitswelt wird deutlich bunter und vielfältiger sein.

War die Corona-Krise eine Art Härtetest für die Unternehmen?

Definitiv! Die Krise ist immer noch ein Härtetest für eingefahrene Strukturen und veraltete Geschäftsmodelle. Gravierende Probleme hatten besonders die Unternehmen, die sich schon vorher der Digitalisierung verschlossen haben. Bestes Beispiel: Die Berliner Verwaltung. Diese stellt 100.000 Arbeitsplätze bereit, und gerade einmal vier Prozent dieser Beschäftigten konnten während des Lockdowns von zu Hause aus arbeiten. Eine Organisation – gerade, wenn sie so groß ist – digitalisiert man ja nicht mal eben von jetzt auf gleich. Das braucht Zeit, und man muss bereit sein, die schnelllebige digitale Entwicklung permanent mitzugehen.

Welche Unternehmen haben die Krise denn besser gemeistert?

Junge Unternehmen und Unternehmen mit einem hohen Anteil an Wissensarbeit hatten sicherlich einen Vorteil, da sie schon vor der Krise sehr digital unterwegs waren. Jetzt kommt es darauf an, was die übrigen Unternehmen daraus machen. Manche sind auf den Geschmack gekommen und werden diese Spur weiterverfolgen, andere drehen aber gerade schon wieder zurück – so als würde mit den Lockerungen die Digitalisierung aufhören.

Wie haben Azubis und Ausbilder den Lockdown erlebt?

Ganz unterschiedlich: Von „Wir schicken die Azubis nach Hause bis der Spuk vorbei ist“ bis hin zu „Unsere Azubis bleiben als einzige vor Ort“ war alles dabei. Ein Zustand zwischen Kreativität und nervöser Unsicherheit, zwischen Ausbildungsauftrag und Fürsorgepflicht. Die große Frage lautete: Wie kann sinnvolle Beschäftigung in Zeiten des Lockdowns aussehen und wie kann der Kontakt gehalten werden? Einige Unternehmen haben mit ihren Azubis Projekte durchgeführt, die nicht auf dem Lehrplan stehen, zum Beispiel der Aufbau eines Instagram-Kanals. Azubi-Sharing war auch ein Thema. Ich glaube, wenn man Azubis nur als Azubis sieht, dann verschenkt man ganz viel unternehmerisches Potenzial. Solche kreativen Quellen muss man unbedingt nutzen – nicht nur in Krisenzeiten! Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Denn bis 2030 werden fünf bis sechs Millionen Erwerbstätige ausscheiden.

In dem IHK-Podcast „Sei ein Mentor“ sprechen Sie ja genau solche Themen an…

Die Grundidee ist hier, dass sich nicht nur die Arbeit, sondern auch die Ausbildung verändert bzw. verändern muss. Über die Podcast-Reihe möchten wir den Ausbildern Denkangebote geben. Warum erreicht ihr nicht genug junge motivierte Menschen? Wie kann man Azubis kreative Freiräume geben? Wie bindet man junge Nachwuchskräfte an das Unternehmen? Ausbildung sollte auf Augenhöhe stattfinden, kooperativ sein und dem Motto folgen: Wir können so viel von jungen Menschen lernen!

5 Tipps zur neuen Arbeitswelt von Frank Eilers

  • Eine neue Arbeitswelt braucht eine neue Arbeitskultur. Vertrauen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen sowie den Azubis?
  • Jeder Mensch hat Wertschätzung verdient. Sind Sie wertschätzend?
  • Wenn wir glauben zu wissen, was andere wollen, verschenken wir eine Menge Potenzial. Reden ist wichtig. Zuhören noch viel mehr!
  • Sei ein Mentor! Wir können diesen Satz auch umdrehen: Wo können Azubis ein Mentor für mich sein (Reverse Mentoring)? Was kann ich von jungen Menschen lernen?
  • Geht nicht, gibt es nicht! Egal welche Lehrpläne, Rahmenbedingungen und Grenzen uns gegeben sind, es gibt unzählige Möglichkeiten, neue Wege zu gehen. Probieren geht über Studieren!

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